Kinderwunsch

Manchmal lässt eine Schwangerschaft auf sich warten. Oder sie endet in einer Fehlgeburt. Hierfür kann es viele Ursachen geben, oft liegt auch ein genetischer Grund vor. Eine Abklärung schafft dann Gewissheit und kann mögliche Schuldgefühle ausräumen. Manchmal ist auch eine Behandlung möglich. Am Anfang steht jedoch auf jeden Fall die Verdachtserhebung und die Diagnostik.

 

Unfruchtbarkeit

Immer mehr Paare klagen über Unfruchtbarkeit. Dies wird meist durch die erhöhte Umweltverschmutzung und andere Umwelteinflüsse bedingt. Doch manchmal kann die Ursache auch genetisch bedingt sein.

Hier kommen Anomalien der Geschlechtschromosomen, das Vorliegen bestimmter Mutationen oder Translokationen in Betracht.

Es ist wichtig, das im Falle einer Sterilitätsbehandlung eine Abklärung erfolgt, um mögliche Risiken für das Kind zu ermitteln. Grundsätzlich sollte bei schwerer wiegender Unfruchtbarkeit eine genetische Beratung mit Stammbaumanalyse der Behandlung vorausgehen.

Anomalien der Geschlechtschromosomen

In jedem Zellkern des Körpers befindet sich das komplette Erbmaterial. Das Erbmaterial besteht aus Desoxyribonukleinsäure (DNA). Sie zieht sich während der Zellteilung zusammen. Dadurch wird sie so kompakt, dass sie im Mikroskop erkennbar wird. Wir sehen dann während der Zellteilung die DNA in Form der Chromosomen. Der normale Chromosomensatz eines Menschen umfasst 46 Chromosomen: 22 Autosomenpaare und das Geschlechtschromosomenpaar XX im weiblichen und XY im männlichen Geschlecht.

Jedes Chromosomenpaar besteht aus einem Chromosom väterlichen und einem mütterlichen Ursprungs. In den Keimzellen, also den Spermien und der Eizellen, liegt demnach ein einfacher Chromosomensatz mit 23 Chromosomen vor.

Während eine Anomalie der Autosomen meist zu schweren Entwicklungsstörungen führt, bleibt eine Anomalie der Geschlechtschromosomen bis zur Pubertät meist unbemerkt. Auch dort zeigen sich nicht immer Anzeichen wie: wenig ausgeprägter - und später Bartwuchs bei Männern und unregelmäßige oder ausbleibende Regelblutung bei Frauen. Bemerkt werden solche Chromosomenanomalien oft erst auf Grund einer Chromosomenanalyse im Rahmen einer Sterilitätsbehandlung.

Genetische Veränderungen des Geschlechtschromosoms bei Männern können zur Unbeweglichkeit der Spermien führen, oder aber deren Fähigkeit an die Eizelle zu binden und einzudringen beeinflussen. Diese sogenannten Azoospermiefaktoren äußern sich durch den Ausfall bestimmter Gene, welche auf dem Y-Chromosom liegen. Um diese Deletionen zu ermitteln reicht jedoch eine Chromosomenanalyse nicht aus, es ist eine molekulargenetische Untersuchung notwendig.

Beispiele für Anomalien der Geschlechtchromosomen, welche zur Unfruchtbarkeit führen können sind:

XXY – Klinefelter Syndrom

XXX – Triple X Syndrom

X0 - Ulrich Turner Syndrom

Mutationen

Manche rezessive Erkrankungen, wie zum Beispiel die zystische Fibrose (auch Mukoviszidose genannt), können in heterozygoter Form - das bedeutet wenn nur eines der im doppeltem Satz vorhandenen Gene mutiert vorliegt - zu Unfruchtbarkeit führen. Ist dies der Fall, so sollte der/die Patnerin ebenfalls gründlichst untersucht werden, um bei evtl. Vorliegen derselben oder einer anderen Mutation des gleichen Gens die Möglichkeit eines betroffenen Kindes und die Pränataldiagnostik abklären zu können.

 

Translokationen

Bei der Keimzellreifung kann es vorkommen, das Chromosomen zerbrechen, und dann Stücke untereinander austauschen. So ein Stückaustausch hat für den Träger in den meisten Fällen keine Bedeutung. Nur ganz selten ist von so einem Stückaustausch ein Gen betroffen, was zu einem Defekt führen könnte. Etwa 0,1% der Bevölkerung haben solch eine Translokation. Problematisch werden Translokationen erst bei der Keimzellreifung des Trägers. In der ersten Reifeteilung lagern sich die Chromosomen paarweise zusammen. Ist jetzt ein Stück vertauscht, kann es hierbei zu Problemen kommen, es entstehen häufiger Fehlverteilungen. Auch die Reifung der Keimzellen kann behindert sein. Die vom Stückaustausch betroffenen Chromosomen stellen auch ein Risiko für die Gesundheit des Kindes dar, da sie fehlerhaft vererbt werden können. Das Kind kann entweder beide betroffenen Chromosomen erben, dann ist es zwar auch Träger einer Translokation, ist aber gesund, da keine Erbinformation verlorengegangen, oder hinzugekommen ist. Das Kind kann auch beide normalen Chromosomen bekommen, so das alles unauffällig ist.
Wird jedoch ein normales und ein betroffenes Chromosom weitergegeben, so kommt es zu einem unbalancieren Chromosomensatz, der oft schon in der Schwangerschaft zu einer Fehlgeburt führt.
In etwa 50% der Fälle wird die Translokation unbalanciert weitergegeben.
Neben der Gefahr der unbalancierten Vererbung ist auch das Risiko für andere Chromosomenstörungen erhöht, da die Translokation die Keimzellreifung behindert. Im Falle einer Schwangerschaft sollte deshalb die Möglichkeit der pränatalen Diagnostik in Betracht gezogen werden.

Translokationen können sowohl vom Vater als auch von der Mutter stammen, es ist deshalb wichtig, beide Elternteile zu untersuchen.

Im Falle einer unbalancierten Translokation ist jedoch keine Heilung möglich, Fehlgeburten können also nicht verhindert werden. Trotzdem ist es für viele erleichternd die Ursache eventueller Aborte zu kennen

 

Sterilitätsbehandlungen

Schätzungsweise jedes siebte bis zehnte Paar "im fortpflanzungsfähigen Alter" bleibt ungewollt kinderlos. Fachleute sprechen von Sterilität, wenn nach ein bis zwei Jahren regelmäßigen und ungeschützten Geschlechtsverkehrs keine Schwangerschaft eingetreten ist.
Viele Paare akzeptieren ihre Kinderlosigkeit als Schicksal. Andere wollen etwas dagegen tun. Die Kinderwunsch-Behandlung verschafft ihnen eine Chance dazu.

Es gibt inzwischen mehrere Möglichkeiten der Sterilitätsbehandlung

1. Insemination (Samenübertragung)

2. GIFT (Gamete Intrafallopian Transfer)

3. IVF (In-vitro-Fertilisation)

4. ICSI (Intracytoplasmatische Spermieninjektion)

der IVF Behandlung kann noch eine sogenannte Polkörperdiagnostik vorangehen, wenn diese von den Eltern gewünscht wird und/oder aber eine medizinische Indikation hierfür besteht.

Fehlgeburten

Etwa 15-20% aller Schwangerschaften enden mit einer Fehlgeburt. Ursachen sind meist Infektionen, genetische Defekte oder sonstige Störungen. Eine Fehlgeburt bedeutet demnach nicht, das etwas bei der Mutter nicht in Ordnung ist. Häufen sich jedoch die Fehlgeburten, sollte man, um der Mutter unnötiges Leid zu ersparen eine genetische Abklärung vornehmen. Wird eine genetische Ursache erkannt, ist es für viele Mütter oft sehr entlastend zu wissen, dass die Fehlgeburt nicht durch irgendein Fehlverhalten ihrerseits ausgelöst wurde, sondern andere Ursachen hatte.

Genetische Ursachen für Fehlgeburten

Mehrere genetische Besonderheiten können zu Fehlgeburten führen. Hier sind vor allem die bereits beschriebenen Translokationen und Mutationen als Ursache zu nennen.

Mutationen

Mutationen in den Gerinnungsfaktoren können Fehlgeburten und ein Absterben des Kindes im Mutterleib verursachen. Meist kommt es zu einem Blutgerinnsel in der Plazenta, das zur Unterversorgung und zum Tod des Kindes führen kann. Risikogruppen sind Frauen mit gehäuft auftretenden thromboembolischen Ereignissen, wie Schlaganfall und Herzinfakt, bei Familienmitgliedern mittleren Alters.

Wird bei der Untersuchung eine Mutation gefunden, so ist es möglich, durch eine Gerinnungsprofilaxe ein Gerinnsel zu verhindern und so einen Erhalt der Schwangerschaft zu gewährleisten. 

Polkörperdiagnostik

Während der Keimzellreifung können neben Keimzellen mit der regelrechten Chromosomenzahl solche mit zu viel oder zu wenig Chromosomen entstehen. Daraus können Trisomien der Embryonen resultieren. Die meisten Trisomien sind nicht mit dem Überleben eines Embryos vereinbar, so dass eine Fehlgeburt eintreten würde.

Wenn ein Chromosom zu wenig vorliegt, dürfte dies zu einer ganz frühen Störung der Embryonalentwicklung führen, so dass die Einnistung dieser Embryonen ausbleibt.

Da mit zunehmendem Alter der Frau Fehlverteilungen der Chromosomen in den Eizellen häufiger auftreten, werden Schwangerschaften bei Frauen mit zunehmendem Alter seltener.
Durch die modernen Techniken in der genetischen Diagnostik ist es möglich, die Anzahl einzelner Chromosomen zu bestimmen, ohne dazu Zellteilungen zu benötigen. Das bedeutet, dass u. U. ein einzelner Zellkern genügen würde, eine Aussage über eine Chromosomenanomalie treffen zu können. Für die Untersuchung kann man sich der sogenannten Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung (FISH) bedienen.

Bei dieser Untersuchungsmethode werden DNA-Sonden, die an spezifischen Stellen der Chromosomen binden, verwendet. Die DNA-Sonden sind mit verschiedenen fluoreszierenden Farbstoffen markiert und können dadurch im Mikroskop sichtbar gemacht werden. An der Zahl der Signale für den jeweiligen Chromosomenabschnitt erkennen wir die Anzahl der Kopien dieses Bereiches in den Zellkernen. Wir benötigen daher für die FISH keine Zellteilungen.

Durch das Embryonenschutzgesetz in Deutschland ist es nicht möglich die Embryonen, die sich außerhalb des mütterlichen Körpers befinden, zu untersuchen. Es ist jedoch in Deutschland möglich und erlaubt, an den Polkörperchen der Eizellen die Untersuchung durchzuführen.
Polkörperchen sind Abschnürungen der Eizelle in denen sich die während der Reifungsteilung aussortierten Chromosomen befinden. Die Untersuchung dieser Chromosomen lässt Rückschlüsse auf die Chromosomen selbst zu, die in der Eizelle verblieben sind und somit von der Mutter an ihr Kind vererbt würden. Die Polkörperchendiagnostik kann zu einer Erhöhung der Erfolgsaussicht der IVF-Behandlung genutzt werden.
Die Methode kann für eine begrenzte Auswahl der Chromosomen angewandt werden. Zur Zeit wird die Anzahl der Chromosomen 13, 16, 18, 21 und 22 mit dieser Methode bestimmt.

Wenn für jede der angewandten Sonde die korrekte Zahl der Signale im Zellkern gesehen wird, liegt das Chromosom in der regelrechten Anzahl vor. Wenn hingegen für eine der Sonden eine falsche Zahl der Signale nachgewiesen wird, handelt es sich um einen fehlerhaften Chromosomensatz.

Nach einer Polkörperchendiagnostik bleibt als Restrisiko das normale Basisrisiko bestehen. Das bedeutet auch, dass andere Chromosomenanomalien, die nicht mit den bei der Fluoreszenz-in situ-Hybridisierung verwendeten Sonden erfasst werden, vorliegen könnten. Es ist ebenso möglich, dass die Samenzelle einen fehlerhaften Chromosomensatz aufweist, oder dass eine Chromosomenveränderung beim Embryo erst nach der Befruchtung entsteht. Die Untersuchung stellt somit keinen Ersatz für die Fruchtwasseruntersuchung dar.

Im Falle einer Schwangerschaft ist daher eine vorgeburtliche Chromosomenanalyse zu empfehlen.